Read Time:3 Minute, 40 Second

Die fünfte Unternehmensbefragung der Wirtschaftsförderung liefert wichtige Erkenntnisse für eine gezielte Unterstützung der Betriebe

„Mit der hohen Standortzufriedenheit der Wirtschaft nimmt der Landkreis Bamberg erneut eine Spitzenposition in Deutschland ein.“ Das ist nach den Worten von Josef Rother von der Gesellschaft für angewandte Kommunalforschung mbH (GEFAK) das sehr erfreuliche Ergebnis der fünften Unternehmensbefragung des Fachbereiches Wirtschaftsförderung beim Landratsamt Bamberg. Die nicht anonymisierten und deshalb sehr gut für konkrete Maßnahmen nutzbaren Aussagen der Unternehmen zeigen auf, dass rund 70 Prozent der Befragten kurzfristig Arbeitskräftebedarf haben. Jedes vierte Unternehmen hat angegeben, dass es Gewerbeflächen braucht.

„Auf diesen fundierten Erkenntnissen bauen wir seit fast zwei Jahrzehnten gezielt unsere Wirtschaftsförderung auf“, machte Landrat Johann Kalb beim zweiten Wirtschaftsgipfel im Kulturboden in Hallstadt deutlich. „Natürlich freuen wir uns über das erneut insgesamt erfreuliche Stimmungsbild unserer Wirtschaft. Es ist allerdings auch wichtig, Bedarfe und Wünsche der Unternehmen im Landkreis zu kennen, ernst zu nehmen und Herausforderungen gemeinsam zu lösen.“ 

Rund 90 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister waren der Einladung der Wirtschaftsförderung des Landkreises Bamberg zum 2. Wirtschaftsgipfel in den Kulturboden in Hallstadt gefolgt. 

„Mit den Daten über fast zwei Jahrzehnte haben Sie beste Voraussetzungen für eine bedarfsgerechte Wirtschaftsförderung. Mit dieser Konsequenz werden in fast keiner Region die Bedarfe und Herausforderungen der Wirtschaft abgefragt“, stellte  Josef Rother von der GEFAK die Ergebnisse vor und analysierte vor allem sogenannte „Wachstumsschmerzen“ der Wirtschaft: fehlende Arbeitskräfte und Auszubildende, Breitband- und Mobilfunkversorgung und Gewerbeflächen. Herausforderungen also, die von vielen Beteiligten gemeinsam angegangen werden müssen. Ein Rat Rothers: „Bringen Sie ,Pioniere‘, die sich in Zukunftsfeldern bereits engagieren, mit Unternehmen zusammen, die in der Umfrage angegeben haben, sich hier stärker engagieren zu wollen.“

Über 37 % der insgesamt 1.081 befragten Landkreisunternehmen haben sich von Januar bis Ende März an der Umfrage beteiligt. Die Unternehmerschaft zeigt insgesamt eine hohe Gesamtzufriedenheit am Standort. Positiv bewerten die Unternehmen insbesondere die überregionale und örtliche Straßenanbindung des Landkreises. Auch die vorhandene Lebensqualität sowie das Schulangebot und die Kinderbetreuungsangebote werden gut bewertet. Als größte Engpassfaktoren werden die Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften, bezahlbarem Wohnraum und Gewerbeflächen genannt. 


Das Ergebnis der Befragung zeigt außerdem, dass die Wirtschaft im Landkreis bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen ist. Rund ein Drittel der Unternehmen gibt Verbesserungen bei der IT-Kompetenz der Mitarbeitenden, im Bereich Telearbeit und beim Datenschutz/IT-Sicherheit an. Die positive Stimmung spiegelt sich auch in der Bereitschaft wider, neues Personal einzustellen (68 %). Außerdem plant über die Hälfte der Unternehmen neue Dienstleistungen, Produkte und Prozesse einzuführen. Rund 47% wollen ihren Standort modernisieren und in Instandsetzungen investieren. Dies ist zunächst eine sehr gute Nachricht. Die Unternehmensbefragung zeigt aber auch, dass in Folge der Pandemie nahezu 90 % der Betriebe mit gestiegenen Einkaufspreisen konfrontiert sind, rund zwei Drittel mit dem Ausfall von Mitarbeitenden zu kämpfen haben und rund 65 % logistische Engpässe verzeichnen.

Größte Herausforderungen für den Wirtschaftsraum in den kommenden Jahren stellen die hohe Nachfrage nach Gewerbeflächen und -immobilien, über ein Viertel der befragten Betriebe hat hier Bedarf angegeben,  sowie der hohe Arbeitskräftebedarf dar. Insgesamt ist ein deutlicher Rückgang bei den Auszubildenden zu verzeichnen, seit 2017 um fast 19 %. Besonders betroffen sind die Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten. Als Hauptgründe für die Stellenbesetzungsprobleme werden die mangelnde fachliche und persönliche Eignung der Bewerberinnen und Bewerber sowie die zu hohen Gehaltsvorstellungen und die unzureichende Bekanntheit des Berufsbildes genannt. Über zwei Drittel der befragten Betriebe investieren bereits in Weiterbildungsmaßnahmen ihres Personals und beschäftigen bereits ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Die Fragen zu Maßnahmen zur betrieblichen Nachhaltigkeit zeigen, dass dieses Thema bereits in vielen Betrieben Einzug gehalten hat. Über 40% der Betriebe haben bereits Maßnahmen zur eigenen Energieerzeugung ergriffen, rund ein Drittel haben ihren Fuhrpark auf Elektromobilität umgestellt und über 45 % arbeiten an der energetischen Optimierung.

Zur Freude des Teams der Wirtschaftsförderung zeigen sich über 90% der befragten Unternehmen mit Angebot, Betreuung und Erreichbarkeit der Wirtschaftsförderung zufrieden oder gar sehr zufrieden. Die TOP 3 Unterstützungsleistungen, die die Unternehmen von der Wirtschaftsförderung erwarten, sind die Themen: Fördermittelberatung, Unterstützung bei Fachkräftesicherung sowie Unterstützung bei Genehmigungsverfahren.

In den Grußworten von Hallstadts Bürgermeister Thomas Söder, von IHK-Präsident Dr. Michael Waasner und HWK-Vizepräsident Christian Herpich wurden die insgesamt gute Ausgangsposition und der Wille, gemeinsam zu handeln, untermauert. Die ermittelten Herausforderungen haben sich verschärft und sind mit einer unsicheren Energieversorgung in Summe zu einer großen Herausforderung für die Wirtschaft geworden.
Der ausführliche Ergebnisbericht zur Unternehmensbefragung ist unter www.landkreis-bamberg.de/Leben/Wirtschaft/Wirtschaftsförderung/Aktuelles/  abrufbar

Happy
Happy
0 %
Sad
Sad
0 %
Excited
Excited
0 %
Sleepy
Sleepy
0 %
Angry
Angry
0 %
Surprise
Surprise
0 %
Sperrung Previous post 𝐄𝐢𝐧𝐞𝐧 𝐓𝐚𝐠 𝐒𝐩𝐞𝐫𝐫𝐮𝐧𝐠 𝐝𝐞𝐫 𝐖𝐢𝐥𝐝𝐞𝐧𝐬𝐨𝐫𝐠𝐞𝐫 𝐒𝐭𝐫𝐚ß𝐞
Next post Es braucht den Schulterschluss gegen Antisemitismus